Agendasetting: Themawechseln in der Politik – Beispiel CDU

Politikrhetorik: Ausweichen und hoffen, dass es keiner merkt…

Hamburg (waw) – Manch Politiker hat es so richtig drauf: Fragen von Journalisten ausweichend beantworten und hoffen, dass keiner nachfragt. Ein anderes Mittel, Unangenehmes zu umschiffen, ist der Themenwechsel. Also unverblümt einen ganz anderen Punkt ansprechen und das Gefragte dadurch vergessen lassen – klappt aber nur bei Reportern, die solche Tricks nicht durchschauen.

In der PR-Sprache nennt sich derlei Taktik „agenda setting“ und ursprünglich ist damit die Fahigkeit von Medien gemeint, durch das Aufgreifen bestimmter Themen den gesellschaftlichen Diskurs zu beeinflussen. Demnach können Journalisten „der Masse“ sagen, worüber und was sie denken soll. Politiker versuchen es ähnlich.

CDU-KrampKarrenbauer-Foto CDU Laurence Chaperon
© CDU / Chaperon

Unerwartet neue Akzente setzen ist aber auch ein beliebtes Tool, um ungünstige Botschaften in Positives umzumünzen. CDU-Generalsekretärin Annegret Kramp-Karrenbauer (links) hat zu diesem Mittel gegriffen, als plötzlich Friedrich Merz wie Kai aus der Kiste als Nachfolgekandidat von Bundeskanzlerin Angela Merkel auftauchte. Damit beamte sich der lange politikabstinent gebliebene Fondsmanager zum scharfen Wettbewerber für die Partei-Generalsekretärin. Seinen ersten großen Medienauftritt in Berlin kommentierte sie zunächst gar nicht, wie WELT-Journalist Robin Alexander beobachtete: „Sie hat die Arena gewechselt und den passenden Konter gesetzt – ‚Es geht nicht um mich.‘

Agenda Setting ist wahrlich keine neue Kommunikationstechnik. Aber sie ist heutzutage leichter anwendbar geworden. Denn die neuen Kommunikationskanäle in den SocialMedia brauchen zur Themensetzung keine Medien als Übermittler mehr – siehe Donald J. Trump. Jeder Tweet des US-Präsidenten macht den Inhalt der Botschaft zur Projektionsfläche für Freunde und Feinde – und bringt den Chef des Weißen Hauses auf jeden Fall ins Gespräch.

Auch Firmen können ihre Themen heutzutage längst via SocialMedia an die breite Öffentlichkeit kommunizieren: „Heute werden Unternehmen zu Social Publishern und übernehmen selbst die Aufgabe der Medien,beschrieb die damalige Facebook-Beraterin Anika Geisel schon 2016. Wer allerdings Themen auf der öffentlichen Agenda bewusst platzieren wolle, brauche eine Strategie sowie die passenden Werkzeuge.

Bahn-120Prozent-puenktlichManchmal kann man sich sogar ganz bewusst humorvoll ins Gepräch bringen. So twitterte die Deutsche Bahn selbstironisch: “

Gute Neuigkeiten: Die Pünktlichkeit unserer Züge liegt heute bei 120 Prozent. #alternativefacts

Agenda Setting bedarf keiner harten Trumpschen Hämmer. Selbst ein Thema wechseln klappt auf die sanfte Tour. Siehe Kramp-Karrenbauer.

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